Pornohefte sind die Verlierer des Internetzeitalters
City- & Szenenews
Cover der Zeitschrift "Coupé"
24.02.2008
Alles wird anders
Das Internet veränderte alles. Printmedien, Fernsehen, Filme, Telekommunikation und nicht zuletzt Musik – im Internet wurden alle hergebrachten Medien gebündelt. Das wirkt sich auch auf die „alten“ Medien selbst aus. Die dramatische Veränderung der Konsumgewohnheiten von Musikhörern ist in aller Munde. Es ist mittlerweile bei allen angekommen, dass das MP3-Format die Musikindustrie in eine Krise gestürzt hat. Die großen Plattenfirmen müssen nun über neue Vertriebswege nachdenken, um weiterhin mit Musik Geld zu verdienen.
Die Verlierer des Internetzeitalters
Einen Anschluss vorausgesetzt, stehen heute viele Informationen einfacher und in wesentlich breiterer Fülle zur Verfügung. Von allem gibt es heute mehr und es ist leichter verfügbar. Einige Bereiche der alten Medienlandschaft gehen dabei unter. Die Erotikhefte vom Kiosk sind einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge die dramatischen Verlierer der Entwicklungen in der Medienlandschaft der letzten Jahre. Seit fünf Jahren befinden sich die Auflagenzahlen der Kioskblättchen im freien Fall. Verdrängt werden sie von der Internetpornografie, die leichter erreichbar, billiger und vor allem in Menge und Form der Vorlieben und Fetische ungleich größer ist. Eben solche abseitigen Themen und Vorlieben sind es auch, mit denen sich die Heftchen im Verdrängungswettbewerb derzeit noch halten wollen. Jürgen H. Klebe, Chefredakteur der St. Pauli Nachrichten, erklärt gegnüber der SZ: "Wir retten uns mit Spezialausgaben: dünne Frauen, dicke Frauen, lange Fußnägel, kurze Fußnägel, behaart, unbehaart." Er glaubt nicht mehr daran, dass es in zehn Jahren noch Erotikhefte am Kiosk geben wird. Gegen das Internet können sie auf Dauer nicht konkurrieren, denn hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Doch natürlich existieren auch dort die Erotik- und Pornoanbieter nicht friedlich nebeneinander.
Auch im Internet tobt ein Kampf
Im letzten Herbst machte der deutsche Provider Arcor Schlagzeilen, als er die Seiten von drei Pornoportalen für seine 2,4 Millionen User zentral sperren ließ. Begründet wurde der Schritt von Arcor laut Focus-Online mit Verstößen gegen Jugendschutzrichtlinien. Die gesperrten Seiten waren besonders bei deutschen Usern sehr beliebt. Sie wurden allerdings im Ausland geschaltet und entsprachen nicht den sehr rigiden deutschen Richtlinien. Und genau in diesem Punkt findet sich der eigentliche Hintergrund für die Sperrung. Diese erfolgte auf freiwilliger Basis. Arcor war durch keine Gerichtsentscheidung dazu verpflichtet. Deutsche Anbieter, die gegenüber den gesperrten Portalen einen Wettbewerbsnachteil befürchteten, hatten Arcor erfolgreich zu dem Schritt bewegt.
Schwierigkeiten bei der Überwachung von Internetpornografie
Allerdings entwickelte sich der erste Versuch von Seiten des Providers Arcor, bestimmte Seiten zu sperren, zu einem Misserfolg. Einerseits brach das hessische Unternehmen damit eine Debatte um Zensur im Internet los und zum anderen wirkte sich die Sperre auch auf andere Seiten ohne Porno-Inhalte aus. So waren unter anderem eine Bollywood-Fanseite und die eines Fachkongresses nicht mehr für Arcor User erreichbar. In der Folge entsperrte Arcor wieder die drei IP-Adressen.
Einem Beitrag des ORF zufolge führt der Wettlauf zwischen Überwachungsbehörden und Zensoren auf der einen Seite und Pornoanbietern auf der anderen Seite zu dem paradoxen Ergebnis, dass die Pornoindustrie zum neuen Motor für den Datenschutz wird. Um sich gegen die Zugriffe und die Überwachung durch Dritte abzusichern, lohnt es sich für die Industrie, die Entwicklung von Anonymisierungsprogrammen zu forcieren um ihren Kunden entsprechende Angebote mitliefern zu können. So ist mittlerweile denkbar, dass in Zukunft ausgerechnet die ebenso viel genutzte wie viel gescholtene Internetpornografie den Usern ein Stück informationelle Selbstbestimmtheit zurückgeben könnte.
Alles wird anders
Das Internet veränderte alles. Printmedien, Fernsehen, Filme, Telekommunikation und nicht zuletzt Musik – im Internet wurden alle hergebrachten Medien gebündelt. Das wirkt sich auch auf die „alten“ Medien selbst aus. Die dramatische Veränderung der Konsumgewohnheiten von Musikhörern ist in aller Munde. Es ist mittlerweile bei allen angekommen, dass das MP3-Format die Musikindustrie in eine Krise gestürzt hat. Die großen Plattenfirmen müssen nun über neue Vertriebswege nachdenken, um weiterhin mit Musik Geld zu verdienen.
Die Verlierer des Internetzeitalters
Einen Anschluss vorausgesetzt, stehen heute viele Informationen einfacher und in wesentlich breiterer Fülle zur Verfügung. Von allem gibt es heute mehr und es ist leichter verfügbar. Einige Bereiche der alten Medienlandschaft gehen dabei unter. Die Erotikhefte vom Kiosk sind einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge die dramatischen Verlierer der Entwicklungen in der Medienlandschaft der letzten Jahre. Seit fünf Jahren befinden sich die Auflagenzahlen der Kioskblättchen im freien Fall. Verdrängt werden sie von der Internetpornografie, die leichter erreichbar, billiger und vor allem in Menge und Form der Vorlieben und Fetische ungleich größer ist. Eben solche abseitigen Themen und Vorlieben sind es auch, mit denen sich die Heftchen im Verdrängungswettbewerb derzeit noch halten wollen. Jürgen H. Klebe, Chefredakteur der St. Pauli Nachrichten, erklärt gegnüber der SZ: "Wir retten uns mit Spezialausgaben: dünne Frauen, dicke Frauen, lange Fußnägel, kurze Fußnägel, behaart, unbehaart." Er glaubt nicht mehr daran, dass es in zehn Jahren noch Erotikhefte am Kiosk geben wird. Gegen das Internet können sie auf Dauer nicht konkurrieren, denn hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Doch natürlich existieren auch dort die Erotik- und Pornoanbieter nicht friedlich nebeneinander.
Auch im Internet tobt ein Kampf
Im letzten Herbst machte der deutsche Provider Arcor Schlagzeilen, als er die Seiten von drei Pornoportalen für seine 2,4 Millionen User zentral sperren ließ. Begründet wurde der Schritt von Arcor laut Focus-Online mit Verstößen gegen Jugendschutzrichtlinien. Die gesperrten Seiten waren besonders bei deutschen Usern sehr beliebt. Sie wurden allerdings im Ausland geschaltet und entsprachen nicht den sehr rigiden deutschen Richtlinien. Und genau in diesem Punkt findet sich der eigentliche Hintergrund für die Sperrung. Diese erfolgte auf freiwilliger Basis. Arcor war durch keine Gerichtsentscheidung dazu verpflichtet. Deutsche Anbieter, die gegenüber den gesperrten Portalen einen Wettbewerbsnachteil befürchteten, hatten Arcor erfolgreich zu dem Schritt bewegt.
Schwierigkeiten bei der Überwachung von Internetpornografie
Allerdings entwickelte sich der erste Versuch von Seiten des Providers Arcor, bestimmte Seiten zu sperren, zu einem Misserfolg. Einerseits brach das hessische Unternehmen damit eine Debatte um Zensur im Internet los und zum anderen wirkte sich die Sperre auch auf andere Seiten ohne Porno-Inhalte aus. So waren unter anderem eine Bollywood-Fanseite und die eines Fachkongresses nicht mehr für Arcor User erreichbar. In der Folge entsperrte Arcor wieder die drei IP-Adressen.
Einem Beitrag des ORF zufolge führt der Wettlauf zwischen Überwachungsbehörden und Zensoren auf der einen Seite und Pornoanbietern auf der anderen Seite zu dem paradoxen Ergebnis, dass die Pornoindustrie zum neuen Motor für den Datenschutz wird. Um sich gegen die Zugriffe und die Überwachung durch Dritte abzusichern, lohnt es sich für die Industrie, die Entwicklung von Anonymisierungsprogrammen zu forcieren um ihren Kunden entsprechende Angebote mitliefern zu können. So ist mittlerweile denkbar, dass in Zukunft ausgerechnet die ebenso viel genutzte wie viel gescholtene Internetpornografie den Usern ein Stück informationelle Selbstbestimmtheit zurückgeben könnte.
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