Finanzkrise: Gefahr für Gesundheit

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19.07.2009

Selbstmorde, Herzattacken, Alkoholvergiftungen - Rezession in Zahlen.

Experten warnen laut BBC, dass die Selbstmordraten wie auch die Zahl der Herzattacken und Morde mit dem Fortschreiten der Finanzkrise steigen werden.

Das Herz, die Frustration - und der Alkohol

Die Voraussagen basieren der BBC zufolge auf Analysen des Zusammenhangs zwischen wirtschaftlichen Veränderungen und Todesraten in 26 EU-Ländern im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte. Die Studie wurde von Experten der Oxford University und der London School of Hygiene and Tropical Medicine durchgeführt. Sie zeige, dass ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 3% mit einer Zunahme der Herzattacken um 2,7% bei Männern zwischen 30 und 44 Jahren einhergehe. Die Zahl der Morde und Selbstmorde unter Menschen, die jünger als 64 Jahre sind, nehme im Schnitt um 2,4% zu.

Für Professor Martin McKee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine ist die Selbstmordrate in Zeiten ökonomischer Krisen nur die Spitze des Eisbergs. Viele Menschen litten unter seelischer Abspannung und Stress - möglicherweise ein Grund für den signifikanten Anstieg der Zahl der Toten durch Alkoholmissbrauch. Diese steige bei einer um 3% gestiegenen Arbeitslosenquote um ganze 28%.

Gefühl von Überflüssigkeit

Das seelische Wohlergehen hänge von einer Vielzahl von Faktoren ab, so Paul Farmer, Geschäftsführer der Organisation Mind, die auf gemeinnütziger Ebene die seelische Gesundheit zu ihrem Anliegen gemacht hat: "Dazu gehört der Status durch die Arbeit, die Bedingungen am Arbeitsplatz und die wirtschaftliche Sicherheit. All diese Faktoren können während einer Rezession betroffen sein."

Durch den Verlust des Arbeitsplatzes stelle sich häufig das Gefühl ein, überflüssig zu sein. Solche Ereignisse führten bekanntermaßen zu Depressionen und Selbstmordgedanken, so Farmer weiter. Von den Auswirkungen des veränderten Status seien vor allem Männer betroffen: Einer von sieben Männer leide innerhalb von sechs Monaten nach Verlust des Arbeitsplatzes unter einer Depression.

Was tun?

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass einfache sozialpolitische Maßnahmen den umgekehrten Effekt haben und so helfen können, diese einschneidenden Folgen von Rezession und ökonomischen Krisen abzuwenden. Dabei werden sie erstaunlich konkret: Wenn eine Regierung 135 Euro pro Person und Jahr für wirkungsvolle Arbeitsmarktprogramme ausgeben würde, hätte ein Anstieg der Arbeitslosenzahl um 3% den Wissenschaftlern zufolge keine Auswirkungen auf die Selbstmordrate. "Eine Finanzkrise bringt viele Menschen in wirtschaftliche Not, aber dies muss nicht ihren Tod bedeuten", so Dr. David Stuckler, Forscher an der Oxford University und Hauptautor der Studie.

(ur)
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