Nazis im HipHop - Panikmache oder reale Gefahr?
Musik
Buch zum Thema, © Hannibal Verlag
17.01.2008
Bereits vor zwei Jahren gab es vermehrt Vorwürfe gegen den Berliner Rapper Fler, marketingbedingte Provokation mittels deutschnationaler Sprüche und Symbole zu betreiben. So wurden im Video zu „Neue Deutsche Welle“ massig Deutschlandfahnen geschwungen, im Text erregte die Zeile „schwarz, rot, gold – hart und stolz“ die Gemüter und das Logo von Fler wurde von einem stark verfremdeten Reichsadler geschmückt.
Bis in US-amerikanische Medien reichte die damalige Debatte, alle möglichen deutschen Gangsta-Rapper übten sich im Leugnen ihrer Verantwortlichkeit gegenüber ihrer überwiegend minderjährigen Hörerschaft. Schon vorher waren vor allem Berliner Untergrund-Rapper mit geschmacklosen und unkritischen Bezügen zum NS aufgefallen. So wurde ein Album mit „Mein Kampf“ betitelt und in diversen Battlerap-Texten hielten Kokettierungen mit der Zeit des Nationalsozialismus Einzug.
Im Jahr 2006 dann sorgte eine Dessauer HipHop-Crew für Furore. In ihren Texten nutzte sie den Umstand, dass in ihrer Heimatstadt während des Nationalsozialismus das für den Holocaust verwendete Giftgas Zyklon B produziert wurde, für brechreizerregende Battlepassagen gegen andere Rapper. Ein bis jetzt noch nicht abgeschlossener Prozess wegen Menschenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung folgte. Auch wenn die Texte der Dessauer einen neuen Maßstab für Geschmacklosigkeiten vor allem im ursprünglich sportsgeisterfüllten Battlerap setzten, rechtfertigten sie ihre verbalen Ausfälle dennoch nach wie vor mit den ungeschriebenen Gesetzen eben des HipHop-Battles – die eigene Person wird glorifiziert, andere MCs und Crews abgewertet.
Politik statt Provokation - Nazirap auf dem Vormarsch?
Nun scheint es aber eine tatsächlich neue Qualität des deutschtümelnden Sprechgesangs zu geben: politisch motivierten Nazirap. So ist etwa aus hessischen Kameradschaftskreisen ein Projekt aufgetaucht, das für sich selbst beansprucht, „Hip Hop für Deutsche“ zu produzieren. Der politische Anspruch, der hinter diesem Projekt steht – nämlich weite Teile von verschiedenen Jugendsubkulturen in nationalistische Bahnen zu lenken – ist gefährlich und durchaus ernstzunehmen. Dies fällt angesichts der äußerst schlechten musikalischen Umsetzung zugegebenermaßen schwer. Wer kann schon eine offensichtlich depressive Mickey Mouse-Stimme ernstnehmen, die sich nicht einmal bemüht, irgendeinen Takt zu halten, erst recht nicht den der schleppend-langsamen, langweiligen Beats des Projekts?
Weitaus gefährlicher erscheint hingegen ein MC aus Bielefeld, der musikalisch auf den Spuren von Bushido & Co. wandelt. Auch seine rap- und beattechnischen Fähigkeiten sind begrenzt, doch trifft seine Interpretation vom Klischee des harten Straßen-Rappers wohl weitaus eher den Geschmack der jugendlichen Fanklientel diverser Gangsta-Rapper und -Label, von Massiv zu Bushido, von Aggro Berlin zu Shok Muzik. Er schafft es, sich als harter Deutscher wesentlich authentischer als Fler in Szene zu setzen, spielt auf seiner Homepage mit nationalsozialistischer Symbolik und lässt in seinen Texten diverse rassistische und nationalistische Statements fallen. Außerdem beruft er sich schon im Titel seines Albums positiv auf die eindeutig aus dem rechtsextremen Spektrum stammende Bekleidungsmarke Thor Steinar.
Gleichzeitig war der Rapper über mehr als zwei Wochen in den Top Ten der Downloadcharts des Online-Magazins RapCheck vertreten und belegte dort über mehrere Tage den ersten Platz. Wachsamkeit insbesondere der Angehörigen der HipHop-Subkultur ist also geboten.
Wer sich weitergehend mit diesem Thema beschäftigen möchte, dem sei das Buch "Fear of a Kanak Planet" ans Herz gelegt. Hier gibt’s einen Artikel von einem der beiden Autoren und hier ein Radiointerview zum Download.
Bereits vor zwei Jahren gab es vermehrt Vorwürfe gegen den Berliner Rapper Fler, marketingbedingte Provokation mittels deutschnationaler Sprüche und Symbole zu betreiben. So wurden im Video zu „Neue Deutsche Welle“ massig Deutschlandfahnen geschwungen, im Text erregte die Zeile „schwarz, rot, gold – hart und stolz“ die Gemüter und das Logo von Fler wurde von einem stark verfremdeten Reichsadler geschmückt.
Bis in US-amerikanische Medien reichte die damalige Debatte, alle möglichen deutschen Gangsta-Rapper übten sich im Leugnen ihrer Verantwortlichkeit gegenüber ihrer überwiegend minderjährigen Hörerschaft. Schon vorher waren vor allem Berliner Untergrund-Rapper mit geschmacklosen und unkritischen Bezügen zum NS aufgefallen. So wurde ein Album mit „Mein Kampf“ betitelt und in diversen Battlerap-Texten hielten Kokettierungen mit der Zeit des Nationalsozialismus Einzug.
Im Jahr 2006 dann sorgte eine Dessauer HipHop-Crew für Furore. In ihren Texten nutzte sie den Umstand, dass in ihrer Heimatstadt während des Nationalsozialismus das für den Holocaust verwendete Giftgas Zyklon B produziert wurde, für brechreizerregende Battlepassagen gegen andere Rapper. Ein bis jetzt noch nicht abgeschlossener Prozess wegen Menschenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung folgte. Auch wenn die Texte der Dessauer einen neuen Maßstab für Geschmacklosigkeiten vor allem im ursprünglich sportsgeisterfüllten Battlerap setzten, rechtfertigten sie ihre verbalen Ausfälle dennoch nach wie vor mit den ungeschriebenen Gesetzen eben des HipHop-Battles – die eigene Person wird glorifiziert, andere MCs und Crews abgewertet.
Politik statt Provokation - Nazirap auf dem Vormarsch?
Nun scheint es aber eine tatsächlich neue Qualität des deutschtümelnden Sprechgesangs zu geben: politisch motivierten Nazirap. So ist etwa aus hessischen Kameradschaftskreisen ein Projekt aufgetaucht, das für sich selbst beansprucht, „Hip Hop für Deutsche“ zu produzieren. Der politische Anspruch, der hinter diesem Projekt steht – nämlich weite Teile von verschiedenen Jugendsubkulturen in nationalistische Bahnen zu lenken – ist gefährlich und durchaus ernstzunehmen. Dies fällt angesichts der äußerst schlechten musikalischen Umsetzung zugegebenermaßen schwer. Wer kann schon eine offensichtlich depressive Mickey Mouse-Stimme ernstnehmen, die sich nicht einmal bemüht, irgendeinen Takt zu halten, erst recht nicht den der schleppend-langsamen, langweiligen Beats des Projekts?
Weitaus gefährlicher erscheint hingegen ein MC aus Bielefeld, der musikalisch auf den Spuren von Bushido & Co. wandelt. Auch seine rap- und beattechnischen Fähigkeiten sind begrenzt, doch trifft seine Interpretation vom Klischee des harten Straßen-Rappers wohl weitaus eher den Geschmack der jugendlichen Fanklientel diverser Gangsta-Rapper und -Label, von Massiv zu Bushido, von Aggro Berlin zu Shok Muzik. Er schafft es, sich als harter Deutscher wesentlich authentischer als Fler in Szene zu setzen, spielt auf seiner Homepage mit nationalsozialistischer Symbolik und lässt in seinen Texten diverse rassistische und nationalistische Statements fallen. Außerdem beruft er sich schon im Titel seines Albums positiv auf die eindeutig aus dem rechtsextremen Spektrum stammende Bekleidungsmarke Thor Steinar.
Gleichzeitig war der Rapper über mehr als zwei Wochen in den Top Ten der Downloadcharts des Online-Magazins RapCheck vertreten und belegte dort über mehrere Tage den ersten Platz. Wachsamkeit insbesondere der Angehörigen der HipHop-Subkultur ist also geboten.
Wer sich weitergehend mit diesem Thema beschäftigen möchte, dem sei das Buch "Fear of a Kanak Planet" ans Herz gelegt. Hier gibt’s einen Artikel von einem der beiden Autoren und hier ein Radiointerview zum Download.
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